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Streitthema Cholesterin ...
Die Frage, ob und in welchem Umfang Cholesterin den Herzinfarkt vorantreibt und überhaupt dem Teufel zur Hand geht, weckt leidenschaftliche Diskussionen. Ganze Industriezweige "informieren" und "forschen" und forcieren die Streitigkeiten am Frühstücktisch, ob Opa nun noch ein Ei mehr essen darf oder nicht. Wenn schon alle drüber diskutieren, warum nicht auch wir; mischen wir uns doch ein...
Unsere Serie beginnt am 26.Juni und umfasst mehrere Teile, die im Dreitagesrhythmus ergänzt werden.
Der Artikel wird nach den Ferien der Redaktion weitergeführt. Wir bitten um Verständnis.
Gedenken wir dem Fett an diesem Tage...
Wie lang ist eigentlich ein Jahr ? Wahrscheinlich bald nicht mehr genug, um all die Tage aufzunehmen, die man nicht feiert, sondern „begeht“... im Anrufen des Gewissens, reflektierend, resumierend, projektierend. Als ich in diesem Sinne vor kurzem gewahr wurde, dass auch ein „Tag des Cholesterins“ ins Haus steht, hat mich das fast nicht mehr verwundert. Ich halte es sogar für möglich, dass ab 2010 der Tag des Diesthermethylsonstwiewas zum Besten gegeben wird. Wobei die Sache mit dem Cholesterin vielleicht ja sogar mehr Sinn macht als ein zweckentfremdeter Vatertag.
Es ist ein Verein mit dem unerhört langen Namen „Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen DGFF (Lipid Liga) e.V.“, die sich diesen Tag ausgedacht hat. Damit will man aufmerksam machen auf das Thema Cholesterin. Ein zweifellos ehrenvolles Anliegen, sind doch die mit dem Cholesterin in Verbindung gebrachten Erkrankungen hierzulande mittlerweile die Volkskrankheiten Nr.1: Arteriosklerose mit alle ihren Folgen wie Herzinfarkt, Apoplexie etc.. Wenn das Cholesterin die Heilpraktikerprüfung absolvieren wollte, würde es also nie bestehen, da es eine „Gefahr für die Volksgesundheit“ wäre. Oder? Nun, so einfach ist es nicht, solange es da zwei Brüder gibt – den schlechten, aber auch den guten.
In der kurzen Serie werfen wir einen Blick auf das Thema Cholesterin und streifen dabei die Fragen von Diäten und Abnehmen, Entbehrungen oder Essenslust, Trends und Moden der Medizin sowie Schund und Schwindel in der Lebensmittelwerbung.
Kurzer Exkurs: Cholesterin und Arteriosklerose

- Arteriosklerose in verschiedenen Stadien
Arteriosklerose ist die Verkalkung der Arterien, Atherosklerose die Verfettung. Beides hängt zusammen: Lagert sich zunächst Fett an den Gefäßwänden an, gesellt sich rasch Kalk dazu und sorgt für die zunehmende Erstarrung der Gefäße und für das immer mehr abnehmende Lumen. Die Folge: Bluthochdruck und Durchblutungsstörungen, die besonders in Kombination allen Folgen wie koronarer Herzkrankheit oder Schlaganfallrisiko den Weg bahnen.
Hocherhitzt streiten sich nun viele, was zuerst und als wichtigster Faktor zum Tragen kommt... das lassen wir dahingestellt, denn es verhält sich wahrscheinlich so wie die Sache mit dem Huhn und dem Ei.
Wobei wir bei der Ernährung wären...

- Schön "fettich", wie der Westfale sagt...
Bloß kein Fett futtern?
Zahllose Tipps und Hinweise zum Vermeiden des Sklerose-Risikos befassen sich mit der Ernährung. Dabei – das muss man leider feststellen – geht das Niveau vieler Vröffentlichungen nicht über die Spekulation hinaus, wieviele Cremeschnittchen den Menschen wie schnell wie nah an den Herzinfarkt bringen.
Zur Beurteilung muss man aber zunächst eines klar festhalten: Die Resorptionskapazität des Darms für Cholesterin liegt durchschnittlich bei 0,1 bis 0,3 Gramm pro Tag. Sie kann maximal auf 0,5 Gramm pro Tag gesteigert werden, was nur etwa 30 bis 60 % des in der Nahrung enthaltenen Cholesterins entspricht. Das bedeutet klar, dass alle 1:1-Rechnungen zwischen Teller und Körper zu 40-70 % unzutreffend sind. Vielmehr hängt die Höhe des Cholesterinspiegels in erster Linie von der körpereigenen Produktion ab.
Wenn man dann noch bedenkt, dass zudem andere Erkrankungen (z.B. metabolisches Syndrom, Stoffwechseldybalancen, Hypothyreose oder Niereninsuffizienz) einem erhöhten Cholesterinspiegel zugrunde liegen können, kommt man nicht umhin, sich am Kopf zu kratzen und sich zu fragen, was den hier eigentlich gespielt wird, wenn immer wieder der mahnende Finger hochgeht, doch fettarm zu futtern.

- Stress - wichtiger als Nahrung?
Viele Faktoren sind verantwortlich...
Für den seriösen Betrachter unumstritten ist, dass die Gesundheit von Herz und Gefäßen durch eine Fülle von Faktoren beeinflusst wird. Nikotinkonsum, Stress Diabetes mellitus, Hypertonie, Bewegungsarmut und eine genetische Disposition übertreffen die Bedeutung von Cholesterin wahrscheinlich bei weitem. „Dass man diese Parameter im Einzelfall erst überprüfen und dann in Beziehung zueinander setzen sollte, bevor das Urteil „erhöhter Cholesterinspiegel" fällt, hat sich (aber) noch nicht überall herumgesprochen.“, urteilen Fachleute. „Der Wert an sich ist kein Wert" mutmaßten schon Autoren in einer Reformhaus-Publikatin vor zwei Jahrzehnten, als die Cholesterin-Thematik bei uns die ersten hohen Wellen schlug. Und dennoch bewirbt man genau dort auch heute gerne bestimmte (an sich sicherlich wertvolle) Öle als Gesundmacher in Sachen Herz und Gefäße. Da spielt natürlich Geld eine Rolle. Ein interessanter Aspekt....

- Gallensteine
Was ist denn Cholesterin überhaupt?
Wikipedia weiß, dass Cholesterin (auch Cholesterol) „ein im menschlichen Körper vorkommender Naturstoff [ist, dessen]... Name sich vom griechischen „chole“ (= Galle) und „stereos“ (= fest) ableitet, da es in Gallensteinen bereits im 18. Jahrhundert gefunden wurde. Jedenfalls ist Cholesterin ein lebensnotwendiges Lipid aus der Gruppe der Nahrungsfette, welches wahrscheinlich schon seit Urzeiten in der Entwicklung der Säugetiere an zentraler Stelle zu sehen ist.
Es wird sowohl mit der Nahrung aufgenommen, als auch im Körper gebildet (v.a. in der Leber). Cholesterin ist ein wichtiger Mosaikstein in vielen Körperfunktionen: das Gehirn hat hohen Bedarf, synthetisiert die von ihm benötigte Menge jedoch vollständig selbst, da Cholesterin die Blut-Hirn-Schranke nicht passieren kann. Cholesterin ist aber auch die Vorstufe von Gallensäuren und Steroidhormonen. Dazu zählen die Geschlechtshormone sowie die Hormone der Nebennierenrinde. Hier sind vor allem Cortisol und Aldosteron zu nennen, die Steuerungsfunktionen für wichtigste Körperfunktionen haben.
Im Verlauf der Cholesterinbiosynthese entsteht das Provitamin zur Bildung von Vitamin D durch UV-Licht.
Cholesterin ist Hauptbestandteil der Plasmamembran. Neben Stabilisierungsfunktionen ist es vor allem (zusammen mit verschiedensten Eiweißen) dafür verantwortlich, dass an der Zellwand gezielt Signalstoffe wie z.B. Hormone (oder deren Transportproteine) ein- oder ausgeschleust werden können. Mit anderen Worten: ohne läuft nichts.
Der Cholesteringehalt des menschlichen Körpers beträgt etwa 140 g. Der Cholesterinspiegel im Blut wird durch die Aufnahme von gesättigten Fettsäuren erhöht und durch die Aufnahme von ungesättigten Fettsäuren erniedrigt. Daraus leiten sich Ernährungsempfehlungen ab (dazu später).

- Böse: Eier

- Gut: toter Fisch
"Gutes und böses" Cholesterin
Da Cholesterin nicht wasserlöslich ist, findet man über 95 % des intrazellulär, während der Rest an Lipoproteine gebunden wird, um im Blut transportiert werden zu können. Diese Verbindungen aus Fett- und Eiweißstrukturen werden mit zunehmender Dichte als Chylomikronen, VLDL, IDL, LDL und HDL bezeichnet werden. Man kann sie elektrophoretisch trennen, dann erkennt man die verschiedene Fraktionen, bei denen der Blick vor allem auf folgende gelenkt wird:
- very-low-density-lipoproteine = VLDL
- low-density-lipoproteine = LDL
- high-densitiy-lipoproteine = HDL
VLDL- und LDL-Cholesterin sind bei zu hohem Serumspiegel schädlich für den Organismus (Arteriosklerose), HDL-Cholesterin dagegen kann Arteriosklerose verhindern helfen.
Cholesterin wird über die Leber ausgeschieden. Es wird durch Gallensäuren emulgiert und dann mit der Gallenflüssigkeit in den Dünndarm sezerniert. Rund 90 % werden über den enterohepatischen Kreislauf wieder aufgenommen, quasi recycelt.
Risikoanteil des Cholesterins fett aufgetragen
Interessant, dass die Website „Cholesterin.de“ den Stoff zwar auf den Opener Seiten mehr oder weniger als Hauptrisiko für Arteriosklerose darstellt, beim Besucher-Selbstcheck nach dem eigenen Risiko aber ermittelt, wer „raucht, lieber Pommes und Schokoriegel als Obst und Gemüse isst und den Fernseh-Sessel nur selten verlässt“ – also die „Fettfrage“ gar nicht stellt. Bei einer detaillierteren Darstellung der Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen werden auf dieser Internet-Präsenz 13 Rubriken aufgemacht, wobei die Fraktion „Fettstoffwechselstörungen“ gleich wieder geschlossen werden darf, wenn die HDL-Cholesterinwerte in Ordnung sind. Mit anderen Worten: die Website bedient sich offensichtlich des Reizwortes Cholesterin, um schwerpunktmäßig andere Infos zu transportiereren oder aber hier Kurzschlüsse unterzubringen. Beides dürfte erwünscht sein, denn der Finanzier der Site (Pfizer-Pharma) stellt Medikamente gegen Herz-Kreislauferkrankungen und Cholesterinsenker her. Letzteres marktführend...

- Gibt es in über einem Dutzend Variationen: die "Nahrungspyramide".
Dass man den Bürger, Konsumenten und Patienten gerne etwas im Unklaren lässt über die Cholesterin-Zusammenhänge wird wohl nirgends mehr deutlich als auf der Website eines sehr bekannten Streichfettherstellers. Der unterhält vermeintlich ein eigenes „Institut“, welches u.a. dem Kunden „Informationen und Unterstützung anbietet“ – aber in keinem Wort wirklich erklärt, was es mit dem Cholesterin wirklich auf sich hat. Die Krönung ist, dass beim „Lexikon des Wissens“, das der Margarinersatzproduzent anbietet, der Begriffs-Link „LDL-Cholesterin“ vorsichtshalber erst gar nicht funktioniert. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier mit wiederum Risikogemenge bewusst schwammig dargestellt werden. In diesem Fall wird man es sogar nicht leid, die Suggestion zu wiederholen, dass der Akt, das Fettzeugs auf die Stulle zu schmieren, ein „aktiver“ Prozess sei. Da kann man sich doch den Sport sparen, wenn dem Vorbereiten des Futterns an sich schon so eine Aktivität innewohnt.


