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21.4.2014 : 12:52

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Gesunde Modefrucht Cranberry?

Kranbeeren im Fladen, getrocknete Cranberries im Müsli, in Lutschtalern und Marmeladen, Moosbeerenriegel und Muttersäfte aus der kleinen roten Frucht...  Ein Trend aus Ami-Land oder ein Gesundheitstipp? Wir schauen sie uns in diesem Leitartikel näher an: die Cranberry.

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Trends auf dem Teller



Knaller in der 70ern: Kiwitorte
Lebender Hermann der 80/90er
...und jetzt das hier?

Es gibt ja immer wieder Trends und Moden - nicht nur für die Klamotten, die man anzieht, sondern auch für das, was diese textilen Ideen dann elegant oder auch gespannt erscheinen lässt. Die Rede ist vom Essen.
Die mittelalte Generation erinnert sich vielleicht noch an den Siegszug der Kiwi, die neu in Europa auf der "Philadelphia-Torte" einen widerlich bitteren Geschmack entwickelte, aber immerhin gut aussah. Oder an irgendwelche komischen vermeintlich gesunden Hefepilze, die auf den Namen Hermann hörten und sich derart vermehrten, dass man keinen mehr kannte, dem man Abkömmlinge davon schenken konnte. Ich glaube, es gab auch mal einen Grapefruit-Trend, eine Brottrunk-Überschwemmung und einen kurzen, sehr ballistischen Phönixflug eines Tofu-Ersatzes aus Löwenmäulchen... Kurzum: auch das, was wir essen, unterliegt klaren Moden. Und nicht nur das Ungesunde wie Weinbrandbohnen, TeleBar-Snacks oder Kullerpfirsich, nein, auch das, wonach der gesundlebende Mensch strebt, das, was der Reformhausbesitzer im Eiltempo in seine Regale schleppt. Und seit einiger Zeit haben wir einen neuen kleinen Stern an diesem oft zwielichten Himmel: die kleine (und doch großwüchsig genannte) Moosbeere. Dem Konsumenten ist sie besser bekannt als Cranberrry.

Den Kranich im Kopf...



Kranichförmige Blüte der Moosbeere

Der Überlieferung nach waren es die alten Pilgerväter, die sog. Pilgrim Fathers, die der kleinen Mossbeerre ihren Namen gaben. Ausschlaggebend dafür war, dass der Anblick der Blüte an den Kopf eines Kranichs erinnerte. Das ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Das ursprüngliche Crane Berry wurde der Einfachheit halber verkürzt zu Cranberry. Die Ureinwohner wussten natürlich schon lang vor den Immigranten aus Europa um den Nutzen der Beere, die sie Ibimi oder Sassamanesh nannten. Sie bereiteten daraus unter anderem Pemmican, ein wohl abscheulich schmeckendes, aber recht haltbares Gericht, was in schlechten Zeiten hervorrangend half, Hunger und Mangel zu durchstehen. Den hungernden Missionaren brachten sie zunächst bei, wie sie u.a. mit Hilfe dessen überleben konnten, als Dank haben diese dann... aber das kennen wir ja, dieses dunkle Kapitel der amerikanischen Geschichte.


Erstmal lecker, dann erst gesund.



Cranberry-Nassernte in den USA

Die  Früchte werden je nach Qualität zu Brei verarbeitet, getrocknet oder in Gänze verkauft. te verkauft. In jeder Form sind sie sowohl in der nordamerikanischen wie auch der skandinavischen Küche beliebt und halten nun auch mehr und mehr Einzug durch mitteleuropäische Gaumenbögen. Hier allerdings mehr unter gesundheitlichen Gesichtspunkten.

Kulinarisch werden Kompott und Saft für Kuchen und Erfrischungsgetränke, ganze Beeren in Saucen zu Wild- und Geflügel genutzt.

Das traditionelle Thanksgiving-Gebäck in Amerika sowie der populäre Cosmopolitan Cocktails kommen ohne die Cranberry nicht aus.

Den Gesundheitswert hatten die Indianer als ursprüngliche Nutzer der Beere zwar entdeckt, der Einwanderer aus Europa dieses jedoch schnell wieder vergessen. Hautsache lecker, war die Devise. Dass Cranberries aber höchst wertvolle Ingredienzien anbieten, hat man gerade in den letzten Jahren wieder untersucht, bewiesen und in zahlreiche therapeutische Hinweise umgesetzt.


Abb.: u.a. www.cranberries.de; Quellen: diverse  Autor: js

Was ist denn drin in der Beere?



Wenn man sich erstmal ganz klassisch die Nährwerte anschaut, dann enthalten 100 Gramm frische Cranberries 52 kcal/ 218 kJ - fett macht das nicht...

 

Interessanter sind die anderen Inhaltsstoffe: 2 mg Natrium, 56 mg Kalium, 6 mg Phosphor und vor allem (!) 7,5-10,5 mg Vitamin C. Damit erklärt sich, dass Seefahrer Moosbeeren einpackten, wenn sie auf Walfang gingen: bei den langen Reisen drohte der Skorbut und da diente die Beere als einfaches und effektives Prophylaxemittel.
Aber auch das ist noch nicht der Haupteffekt, auf den das medizinische Auge gelenkt wird: Cranberries beinhalten große Mengen an Antioxidantien und haben eine ganz besondere Wirkung auf Bakterien. An vielen Stellen verhindern sie das Andocken der Krankheitserreger an die (Schleim)Haut. Hinsichtlich der Harnwege ist dieses gründlich untersucht worden und gilt als sicher! Mittlerweile gibt es regelmäßig Symposien, die sich ausschließlich mit den Wirkungskräften der Cranberry befassen. Die Liste der wahrscheinlichen Wirkungen adelt die kleine Beere in der Tat und erhebt sie fast zur Wunderfrucht.

 

 

Multi-Talent Moosbeere



    • es ist sehr wahrscheinlich, dass insbesondere ein einzigartiger Inhaltstoff der Cranberry anti-adhäsiv auf bestimmte Bakterien wirkt. So können sich z.B. E.Coli und andere pathogene Keime schlechter an die Schleimhaut des Urogenitaltrakts anhaften und werden dann vom Urin abgeführt; die bakterielle Anhaftungsmöglichkeit wird als eine vorrangige Grundvoraussetzung für die Keimansiedelung und das Auslösen von Infektionen gewertet; nur wenige Säfte beinhalten diese Adhäsionshemmer; die positive Wirkung bei Harnwegsinfekten ist erwiesen
    • hieru trägt wahrscheinlich auch bei, dass Konsumenten von Cranberry-Saft vermehr Salicylsäure ausscheiden, die an den Passagestellen antibakteriell wirkt
    • eine ähnliche Wirkung wird im Darm erzielt: Helicobacter pylori haben ebenfalls ihre Probleme mit den Adhäsionshemmern und speziellen Tanninen, die in der Cranberry zu finden sind; hier soll insbesondere die Kombination aus Antibiotika und Cranberry-Wirkstoffen hohe Effektivität zeigen
    • paralell hierzu beobachtet man die antiphlogistische Wirkung (insb. hinsichtlich bestimmter Streptokokken-Stämme) bei Schleimhautdefekten im Mundraum und den Nebenhöhlen
    • Zahnbelag und seine Neubildung wird durch Cranberry-Saft reduziert
    • Englische Studien weisen darauf hin, dass Cranberry-Saft der Gesundheit des Herzens, insbesondere der Koronarien, so zuträglich ist wie Rotwein, dem ja (moderat genossen) deutliche infarktprophylaktische Wirkung zugesprochen wird
    • die Stoffwechseltätigkeit in Darm und Urin soll durch Cranberry-Wirkstoffe erhöht werden - hier solen vor allem Antioxidantien zum Tragen kommen
    • aufgrund der antioxidativen Wirkung wird Cranberry-Säften auch Bedeutung hinsichtlich von Tumorleiden beigemessen: das Wachstum von Brust-, Darm- Lungen- und anderen Tumoren wird möglicherweise verringert, das Absterben der Krebszellen gefördert und die Metastasierung gehemmt
    • Antioxidantien spielen zudem eine wichtige Rolle bei der Stoffwechselanregung und erzielen somit Wirkung  bei Entgiftungsprozessen, einer nachhaltigen Gewichtsreduktion uam.

    Fazit

    Was denn nun - Mode oder Medizin? Ich würde sagen: Wenn etwas gut zu sein scheint, dann ist es weniger mit "modisch" zu titulieren als eine Beschäftigung damit mehr als "angesagt"! Natürlich fehlt es an klinischen Studien; die vielen in vitro-Versuche sind jedoch richtungsweisend, werden aber wohl die schulmedizinischen Kritiker wie so oft (und nicht selten richtigerweise) nicht überzeugen. Fazit: die Cranberry hat sicher Potentiale, auf die die empirischen Werte deutlich hinweisen und es bleibt zu hoffen, dass klinische Studien angestrengt werden, die weitere natürliche Heilstoffe hoffähig machen.