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Blutegeltherapie
Lesen Sie in der Serie:
- über den Blutegel in der Medizingeschichte Teil I und Teil II
- über den Egel aus biologischer Sicht
- über therapeutische Einsatzgebiete
- über die Praxis der Anwendung
- über die Rezeptierung und Abschluss der Behandlung / Entsorgung
- Literatur-Tipp
SchülerInnen steht der gesamte Artikel später auch als Download zur Verfügung.
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Vorabbemerkungen des Verfassers |
Eine Therapie mit Geschichte...

- Altägyptischer Bader setzt Blutegel an

- Blutentzug bei einem Fettsüchtigen im MIttelalter
Für viele ist der Blutegel ein Relikt der Vergangenheit. Schaurige Fantasien von zweifelhaften Austreibungsprozeduren kommen auf... Doch was es mit den kleinen Tierchen wirklich auf sich hat, wissen nur wenige derer, die diesen Horrorszenarien nachhängen.
Der Begriff "Egel" kommt aus dem Griechischen und bedeutet "kleine Schlange". Die ersten Dokumente dieser Therapie findet man bereits in den Sanskrit-Aufzeichnungen Indiens - das ist über 3000 Jahre her. Im Abendland hat die Behandlung mit Egeln wahrscheinlich erst etwas später - rund 100 v.Chr. - Eingang in die Heilkunde gefunden.
Wie angedeutet ist auch heute noch vielen Menschen der Blutegel als Werkzeug mittelalterlichen Badertums eher suspekt. Aber es ist eher das 18. und 19. Jahrhundert, in dem die Verwendung einen fast inflationären Boom erlebte: "Die Blutegeleinfuhr nach Frankreich stieg in den Jahren 1827 - 1850 von jährlich 33,6 Mio. auf 100 Mio. Tiere. Wenn man die damals geringe Bevölkerungszahl berücksicht, war das ein enormer "Pro-Kopf-Verbrauch". Sogar die Mode spiegelte mit Blutegelmustern auf Damenkleidern, den sogenannten "Robes a la Broussais", die damalige Beliebtheit der Tierchen wieder." Francois-Joseph-Victor Broussais (1772-1838) war napoleanischer Armeechirurg, der die Egeltherapie in seiner Doktrin unangefochten über alle anderen Maßnahmen wertschätzte. Nach ihm sind übrigens auch heute noch medizinische Einrichtungen in Frankreich benannt; der Fachkreisen aus anderen Zusammenhängen bekannte Guillaume Dupuytren war ein Kollege Broussais, der auch in Deutschland und den Niederlanden wirkte.
Alle Beiträge sind später auch als pdf-Download verfügbar.Zitate aus: Liebau: Handbuch für Naturheilkunde / Quellen: diverse Internetquellen; Wikipedia; Karges-Decker: Die Geschichte der Medizin
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- F.J.V. Broussais (1772-1838)
Der ungezügelte Einsatz der Blutegel - oft durch medizinischer Halblaien - vor dem Hintergrund eher mythologischer Theorien hatte jedoch gerade auch in Deutschland für nachhaltige Skepsis gegenüber den "Blutsaugern" beigetragen. Vielfach waren Egel in unangemessener Menge ohne klare Diagnose und ohne Wissen um die Hintergründe der Therapie zum Einsatz gekommen.
Demgegenüber konnte jedoch Ende des 19. Jahrhunderts der englische Physiologe John Berry Haycraft die medizinisch wirksamen Sekrete im Speichel des Egels experimentell nachweisen. Haycrafts Untersuchungen belegten, dass "die Substanz (des Egels Speichel) kein Ferment ist, sie ist in Wasser und Kochsalzlösung löslich, sie ist temperaturstabil, sie ist unlöslich in Chloroform, Äther und Alkohol. Der Blutegel sezerniert eine Flüssigkeit, welche das Blutferment zerstört, ohne wahrnehmbare Veränderungen in der Blutbeschaffenheit selbst zu machen." Der Forscher aus Birmingham fand einen gerinnungshemmenden Stoff. Von ihm oder dem deutrschen Chemiker Friedrich Franz wurde der Stoff "Hirudin" genannt. 1903 stellte Franz die Substanz chemisch dar und 1955 wurde sie erstmal aus Blutegelköpfen isoliert. Heute wird sie in Sportsalben oder Präparaten gegen Venenleiden verwendet.
Die Annahme, dass die Blutegeltherapie erst im 20. Jahrhundert durch Zufall entstanden sei, weil immer wieder Berichte von Heilungen verbreitet wurden, bei denen ungewollte Egelbisse zu Besserung oder gänzlichem Abklingen z.B. von Abszessen führte, sind eher als Darstellungen von "Trittbrettfahrern" zu werten - sie unterstreichen lediglich, was lange Zeit vorab bereits empirisch und auch naturwissenschaftlich belegt war.
Dass der Egel heute weniger Einsatz findet als früher, muss mit Sicherheit auch darauf zurückgeführt werden, dass die Anwendung der Therapie einige Zeit und auch der Ruhe bedarf. Mit der "modernen" Praxis des Arztes und seiner "Notwendigkeit" zu schneller Diagnose und Behandlung lässt sich das vielfach nicht in Einklang bringen.
Zitat aus: Liebau: Handbuch für die Naturheilkunde
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Biologische Fakten rund um den Egel

- Darstellung eines medizinischen Egels in einem Lexikon des 19.Jh.
Egel sind bräunliche, blauschwarze oder auch olivgrüne wurmartige Tierchen. Erwachsene Tiere sind ausgestreckt bis zu 15 cm lang und bei genauer Betrachtung ist eine typische Rückenzeichnung zu erkennen, die auch rote Streifen oder Punkte umfasst. Egel leben in erster Linie in versumpften Teichen, Tümpeln oder Feuchtgebieten. Für die meisten Arten muss das Wasser absolzut unbelastet sein. Nur wenige haben ihren Lebensraum im Salzwasser oder leicht belasteten Gewässern. Landegel finden sich vor allem in tropischen Wäldern. Alle gehören zu den Ringelwürmern und umfassen rund 300 Arten, die drei Unterordnungen zugesprochen werden. Sie sind weltweit verbreitet und sind bei guten Bedingungen durchauslanglebig: mit drei Jahren werden sie geschlechtsreif und werden über 30 Jahre alt.
Egel ernähren sich vornehmlich vom Blut anderer Tiere; die drei Unterordnungen orientieren sich an der Ernährungsweise. Borstenegel parasitieren auf Süßwasserfischen, die sogenannten Branchiobdellida ernähren sich wahrscheinlich überwiegend von Kleinalgen und Kleintieren, die sie auf der Oberfläche ihrer Wirtstiere finden.
Die Hirudinida, zu denen auch der Medizinische Blutegel gehört, leben teilweise parasitisch von Körperflüssigkeiten, teilweise als Räuber. Sie können sich auch außerhalb von Wasser aufhalten und bewegen sich dann mit Hilfe von zwei Saugnäpfen an den beiden Körperenden fort.
Durch den massiven Einsatz medizinischer Blutegel in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts (siehe Artikel zur Historie) wurden die Bestände stark zurückgedrängt. Heute sind medizinische Blutegel in Europa nur noch in wenigen Gebieten in natürlichem Umfeld zu finden. In Deutschland und der Schweiz steht das Tier unter Naturschutz.
Blutegel sind „Zwitter“, benötigen dennoch zur Vermehrung einen Geschlechtspartner und auch Blut, um sich fortzupflanzen. Nach der Paarung werden außerhalb ihres Lebensraumes im Wasser bis zu 20 Eier abgelegt, diezum Schutz in Kokons eingesponnen werden. Die geschlüpften „Jungegel“ ernähren sich von winzigen wirbellosen Tierchen, die von ihnen ausgesaugt oder ganz gefressen werden. Seltener saugen sie auch an größeren Tiern (z.B. Fröschen).
Zur Nahrungsaufnahme saugen Blutegel an der Haut von Tieren fest, die z.B. zum Saufen an Wasserstellen kommen oder Gewässer durchwaten. Mit Hilfe eines natürlichen Schmerzmittels in ihrem Speichel können sie schmerzfrei zubeißen. Drei sternartig angeordnete Beißwerkzeuge können selbst kräftiges Rinderfell in wenigen Sekunden durchdringen. Mit seinen Saugnäpfchen an der Körperenden hält sich der Egel fest und kann dann das Blut des Tiers (oder des Menschen) aufnehmen. Hat er genug Ruhe, kann er in etwa einer halben Stunde bis zum Fünffachen seines Körpergewichts zunehmen und lässt dann los, wenn er gesättigt ist. Mit einer guten Mahlzeit ist ein Blutegel bis zu einem Jahr versorgt.
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- Zwei Egel nach Futter im Wassergefäß

- Trotz Sattsein werden sie rege...

- ... und machen sich lang.

- Detail aus der Egel-Maserung
Die Hirudinida, zu denen auch der Medizinische Blutegel gehört, leben teilweise parasitisch von Körperflüssigkeiten, teilweise als Räuber. Sie können sich auch außerhalb von Wasser aufhalten und bewegen sich dann mit Hilfe von zwei Saugnäpfen an den beiden Körperenden fort.
Durch den massiven Einsatz medizinischer Blutegel in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts (siehe Artikel zur Historie) wurden die Bestände stark zurückgedrängt. Heute sind medizinische Blutegel in Europa nur noch in wenigen Gebieten in natürlichem Umfeld zu finden. In Deutschland und der Schweiz steht das Tier unter Naturschutz.
Blutegel sind „Zwitter“, benötigen dennoch zur Vermehrung einen Geschlechtspartner und auch Blut, um sich fortzupflanzen. Nach der Paarung werden außerhalb ihres Lebensraumes im Wasser bis zu 20 Eier abgelegt, diezum Schutz in Kokons eingesponnen werden. Die geschlüpften „Jungegel“ ernähren sich von winzigen wirbellosen Tierchen, die von ihnen ausgesaugt oder ganz gefressen werden. Seltener saugen sie auch an größeren Tiern (z.B. Fröschen).
Zur Nahrungsaufnahme saugen Blutegel an der Haut von Tieren fest, die z.B. zum Saufen an Wasserstellen kommen oder Gewässer durchwaten. Mit Hilfe eines natürlichen Schmerzmittels in ihrem Speichel können sie schmerzfrei zubeißen. Drei sternartig angeordnete Beißwerkzeuge können selbst kräftiges Rinderfell in wenigen Sekunden durchdringen. Mit seinen Saugnäpfchen an der Körperenden hält sich der Egel fest und kann dann das Blut des Tiers (oder des Menschen) aufnehmen. Hat er genug Ruhe, kann er in etwa einer halben Stunde bis zum Fünffachen seines Körpergewichts zunehmen und lässt dann los, wenn er gesättigt ist. Mit einer guten Mahlzeit ist ein Blutegel bis zu einem Jahr versorgt.
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Der therapeutische Einsatz des Blutegels

- Der Egel beißt nicht sofort an, man darf ihn getrost in die Hand nehmen.
Wie eingangs beschrieben, ist die Therapie mit dem Egel bereits historisch: Der altgriechische Arzt Nikandros (ca. 200-130 v.Chr.) benannte in seinen Lehrgedichten eine antidotische Wirkung. In der Folgezeit wurden Blutegel eingesetzt bei Leberleiden, Augenentzündungen, Angina u.a.. Der mittelalterliche Arzt Arnald von Villanova setzte ihn gar bei Tollwut ein und der allgegenwärtige Paracelsus setzte auf den Egel bei Gelbsucht.
Wenn man den Egel therapeutisch gezielt einsetzen möchte, muss man sich die Wirkungsweise genauer anschauen: Der Speichel des Egels beinhaltet mehrere Substanzen, die die Einsatzmöglichkeiten bereits erahnen lassen.
Oft wird allein das Hirudin hervorgehoben ( Der wissenschaftliche Name Hirudo medicinalis rührt daher). Der Stoff wirkt als Antithrombokinase und hemmt folglich die Blutgerinnung. Damit ist die lange Nachblutungszeit nach einem Egelbiss zu erklären.
Daneben ist aber auch Hemetin zu finden, das Blutgerinnsel auflösen kann.
Schließlich greift die sog. Orgelase die Kittsubstanz an, so dass der Egel besser saugen kann.
Vor dem genannten Hintergrund liegt die Wirkung des Egels auf der Hand; die Therapie wirkt:
gerinnungshemmend: Über viele Stunden findet ein langsamer Blutabfluss statt. So kann der Körper an dieser Stelle schadhafte Stoffe ausleiten.
lymphstrombeschleunigend: Aus Blut und Gewebe strömt Lymphe vermehrt in die Gewebespalten und kommt mit dem Blutabfluss zur Ausscheidung. Beide Einflüsse verringern die Zirkulationsschwierigkeiten durch Abfluss gedrosselter Venenabschnitte. Tiefe Venen werden frei und der Kollateralkreislauf kann mit dem Abtransport fertig werden. Somit entsteht eine tiefgreifende heilende Veränderung in der Zellatmung am Ort des Einwirkens. Schlacken kommen zur Ausscheidung und frisches Blut strömt nach.
antithrombotisch: Das Venenendothel erfährt weitgehenden Schutz und Schonung. Weitere Thrombenbildung wird verhütet, die Emboliegefahr vermindert.
Immunisierend: Die Belebung der Leukozytenbildung und -wanderung bewirkt die giftbindende und bakterientötende Kraft der Säfte.
Gefäßkrampflösend = lokal gefäßerweiternd: Hierdurch wird der Kreislauf befreit, Schmerzen lassen nach. Eine Umstimmung der örtlichen Gefäßfunktion bedeutet oft die Einleitung wirklicher Heilung.
Die aktuellen Forschungen legen den Schluss nahe, dass das Blutegelsekret antibiotikahaltig ist.
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Indikationen
Im Gegensatz zu frühen Zeiten der Egeltherapie sind die Indikationen heute recht deutlich und eingeschränkt; sie wird heute eingesetzt bei:
Thrombose
Perfusionsstörung (Thrombo-/Varikophlebitis)
Tinnitus, Otitis media
Schwindel
Hypertonie
Phletora, Blut- und Organverfettung mit Stauungstendenzen
Rheumatischen Erkrankungen wie Arthritis deformans
glg. Erysipel (cave: Behandlungsverbot nach IfSG für HP), Abzesse
glg. Netzhauterkrankungen, Entzündungen im Abdomen, Amenorrhö
Hyperthyreose
Kontraindikationen sind
Hämophili
Marcumar-Therapie, Blutungsneigung
Gravidität (Abortgefahr !)
postoperative Zustände
Ulcus pepticus (Magengeschwür)
Anwendung

- Egel werden in kleinen Behältern mit Wasser angeliefert.

- Ansetzen eines Egels mit Führungsgefäß (Abb. nach Aschner-Fibel)
Vorbereitung eines Egel-Einsatzes
Rezeptieren (siehe nachfolgende Hinweise hierzu)
für ruhige Atmosphäre sorgen (Egel sind sensibel und reagieren auf Unruhe mit "Beiß-Unlust")
Pat. darf nicht parfümiert sein, sonst beißt der Egel nicht; auch evt. Salbenreste oder Desinfektionsmittel halten das Tier vom Biss ab; ggf. Haut neutralisieren
Nierenschale u. Führungsgerät (z.B. Spritzenkörper) ggf. neutralisieren; kein Alkohol, keine äth. Öle nutzen, sonst beißt der Egel nicht
auf kalter Haut beißt der Egel schwerer - evt. leicht temperieren durch warmes Kissen, Warmwasserkompresse oder Reibung
Blutegel (2 Stck/Behälter) bereitstellen (nicht mehr als 6 Egel / Sitzung)
Plastik- oder Folienschürzen für Patient und Therapeut verwenden; ausreichend und geeignetes Wund-Versorgungsmaterialien bereithalten
Der Patient sollte vorab informiert werden über sein Verhalten nach der Behandlung:
kein Alkoholgenuss
keine sportliche oder starke körperliche Belastung
Information über Nachblutungszeit bis zu 12-16 Std. (Ruhezeit!)
Kompressen und Tupfer zur Nachversorgung anwenden (vgl. Rezept)
nach 12 Std. Nachschau (Termin)
Durchführung:
Angesetzt werden die Egel nie über einer unmittelbaren Entzündung oder einem Gefäß, sondern auf gesundem Gewebe am Rand des Geschehens. Bei Ohrproblemen empfiehlt sich das Ansetzen auf dem Mastoid hinter dem Ohr. Schlecht durchblutete Haut (Blässe, Kälte) sollte nicht gewählt werden; hier sind auch die Randbereiche mit besserer Perfusion vorzuziehen.
Stauungen im abdominellen Bereich werden behandelt duch Ansetzen des Egels im Bereich des unteren rechten Rippenrandes.
Der Egel wird über ein Führungsgefäß an die gewünschte Stelle gebracht. Das kann eine Art Reagenzglas oder auch eine am Konus abgeschnittene Spritze sein. Mit einem Spatel wird das Tier in das Gefäß gebracht und dann punktgenau angesetzt. Nach Auslassen aus dem Gefäß muss das Tier beobachtet werden, um ein Überwandern an eine andere Stelle zu verhindern. Gegebenenfalls kann man das Führungsgefäß auch erst entfernen, wenn man davon ausgehen kann, dass der Egel seinen Platz sicher gefunden hat. Wenn ausreichend Ruhe und Hunger gegeben sind, beißt der Blutegel nach wenigen Augenblicken. Man erkennt es meist daran, dass beide Enden des Körpers wie Saugnäpfe auf der Haut anliegen und der Körper selbst einen "Buckel" macht wie eine in Bewegung befindliche Raupe.
Peristaltische Pumpbewegungen durch den Körper des Egels deuten darauf hin, dass er angebissen hat und saugt. Der Patient merkt vom Biss meist selber nichts.
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Rezeptierung zur Therapie
Egel werden entweder von der Praxis selber bestellt (und berechnet) oder der Patient besorgt sie in der Apotheke, wo sie in der Regel bestellt werden müssen. Zum Egel selbst kann ein komplettes Rezept mit allen "Zubehörteilen" ausgestellt werden. Das haben wir hier beispielhaft abgebildet.
...nach der Behandlung.
Häufig gestellt wird die Frage, ob der Egel von alleine abfällt. Das tut er in der Regel, wenn er satt ist. Vorher lässt er bereits los, wenn es ihm zu unruhig ist. Muss die zeit begrenzt werden, kann man das Abfallen forcieren. Der alte Tipp, Salz auf das Tier zu streuen, tut weder dem Egel noch dem Patienten gut: Die Wunde brennt, der Blutegel leidet und wahrscheilich ist es auch so, dass er in dieser Situation ungünstige Stoffe in die Wunde entlässt. Das Annähern mit einem warmen oder heißen Gegenstand (z.B. erwärmter Metallstab) tut bessere Dienste.
Am besten wird er Egel in einer Nierenschale aufgefangen. Satt ist er nicht nur in der Körpergröße enorm gewachsen, sondern meist auch träge und wird sich nicht auf die Flucht begeben. Man hat also in aller Regel genug Zeit, zunächst die Wunde zu versorgen. Man möchte zwar einerseits die Nachblutung nutzen, muss aber andererseits den Patienten meist "transportfähig" machen und auf seine Kleidung etc. Rücksicht nehmen. Eine Verbinden der Wunde je nach Rahmenbedingung ist also angezeigt.
Der Patient muss auf die Nachblutung hin- und in den Wechsel der Bandage eingewiesen werden. Verbandsmull, für bestimmte Körperbereiche (z.B. hinter dem Ohr) auch Damenbinden - gut verklebt - sorgen für ein Auffangen des Blutes.
Es ist hilfreich, dem Patienten etwas Wundsalbe mitzugeben, falls der Biss bei ihm nicht zufriedenstellend rasch verheilt. Eine Vorstellung am nächsten Tag sollte erfolgen, wenn viele Egel angesetzt wurden oder Probleme während der Behandlung aufgetreten sind. Ansonsten ist zumindest ein Kontrollanruf empfehlenswert.
Der Egel selbst muss entsorgt werden. Laut Gesetz ist die Rücknahme in den "Rentnerteich" eindeutig seit Herbst 2006 nicht mehr erlaubt. Egel müssen nach der Behandlung getötet werden - so schwer dies manchem Therapeuten auch fallen mag. Die "fachgerechte" Tötung erfolgt durch Einlegen des Tieres in hochprozentigem Alkohol (z.B. Spiritus) oder durch Einfrieren bei mindestens Minus 18° C. Anschließend wird das tote Tier in blickdichtem Behälter - evt. mit dem (dann an sich überflüssigen) Hinweis "Evt. infektiöses Material" mit dem Restmüll entsorgt.






