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Anthroposophische Medizin



Artikel von Frau Altrock, Weleda, Schwäbisch Gmünd
für die Hufeland-Schule Senden, Juli/August 2007

 


Anthroposophische Medizin – grundlegende Aspekte

Anthroposophische Medizin ist eine integrative Medizin. Ihre Quellen sind einerseits die naturwissenschaftliche, konventionelle Medizin mit ihren Methoden und Ergebnissen sowie andererseits geisteswissenschaftliche Erkenntnisse. Beide gehören untrennbar zusammen. Dabei ist sie keine „Alternativmedizin“ – sie will die konventionelle Medizin nicht ersetzen sondern ergänzen. Sie ist Teil der „Besonderen Therapierichtungen“, wie auch die Homöopathie und die Phytotherapie dazu zählen.

Für anthroposophische Ärzte und Therapeuten bilden körperliches und seelisches Leben mit der Individualität des Menschen eine Einheit, die sich wechselseitig beeinflussen. Dies in Diagnostik und Therapie zu berücksichtigen, ist eine der wesentlichsten Grundlagen anthroposophischer Medizin.

Bei der Auswahl eines anthroposophischen Arzneimittels lässt sich der Arzt oder Therapeut nicht nur von der Symptomatologie der Krankheit leiten. Darüber hinaus erfasst er den Menschen in seiner Gesamtpersönlichkeit und in seinen Lebensbesonderheiten nach menschenkundlichen Gesetzmäßigkeiten. Das sind z.B. Körperbau und –sprache, Bewegungsfluss, Art des Händedrucks, Schlafverhalten, Wärme-/Kälteempfindlichkeit, Atmung, körperliche Rhythmen. So kann, ergänzend zu dem allgemeinen Krankheitsbild das Charakteristische des Patienten in das weitere Vorgehen einbezogen werden. 

So wenig wie möglich und nur so lange wie nötig.

Die medikamentöse Therapie in der anthroposophischen Medizin richtet sich nach dem Grundsatz: So wenig wie möglich und nur so lange wie nötig.
In schweren akuten oder bei lebensbedrohlichen Erkrankungen kann, um einen körperlichen Zustand zu stabilisieren, zunächst nicht auf den Einsatz konventioneller Medizin verzichtet werden. Soweit es sich aber umgehen lässt, werden Krankheitssymptome nicht unterdrückt. Mit Hilfe von homöopathisch hergestellten und anderen anthroposophischen Arzneimitteln soll der körpereigene Selbstheilungsprozess aktiviert, das gestörte Gleichgewicht wieder in die richtige Balance gebracht und seine Abwehrkraft gestärkt werden.

Herkunft und Ausrichtung anthroposophischer Arzneimittel


Die Gesichtspunkte für die Wahl der Rohstoffe, die Herstellungsverfahren sowie deren Auswahl mit Blick auf bestimmte Krankheiten gehen auf die wissenschaftlichen Arbeiten von Dr. Rudolf Steiner (1861 – 1925) zurück:
Aus der Erkenntnis der gemeinsamen Evolution des Menschen, der Natur, der Erde und des Kosmos kann man zu einer rationalen Arzneimittelfindung kommen. Dies macht deutlich, dass die messbare Wirkung der Substanzen in einem anthroposophischen Arzneimittel immer nur einen Teilaspekt des Ganzen widerspiegelt.
Auf dieser Basis begründete er, in Zusammenarbeit mit Dr. Ita Wegmann (1861 – 1943), Anfang des 20. Jahrhunderts die anthroposophische Medizin. Seitdem hat sie sich methodisch und inhaltlich weltweit weiterentwickelt.

Anthroposophische Medizin: nie „pauschal“ oder „Routine“

Die Reaktion der meisten anthroposophischen Arzneimittel definiert sich nicht über pharmakologische Mechanismen. Ihre Grundlage besteht vielmehr in inneren Evidenzzusammenhängen, die mit der anthroposophischen Menschen-
und Naturerkenntnis zu tun haben.
Anthroposophische Ärzte achten, in diesem Zusammenhang, bewusst darauf, welcher spezieller Anregungen der Organismus zum gesunden bedarf. Therapeutisch lässt sich dieser unterschiedlich beeinflussen: über die Sinne, das Verdauungssystem, die Atmung und das Blut.

Welchen Zugang der Arzt wählt, richtet sich danach, welche körperliche Antwort er hervorrufen will: Tinkturen, Salben oder ätherische Öle etwa sprechen über Haut und Sinne das Nervensystem an. Das aktiviert formende und strukturierende Prozesse. Tropfen, Kügelchen, Saft und Pulver beeinflussen den Stoffwechsel und lösen regenerierende, dynamische Vorgänge aus.


Die Wirksamkeit eines anthroposophischen Arzneimittels bemisst sich daran, ob es körperliche oder seelische Beschwerden mildern oder verschwinden lassen kann. Ob es eine Krankheit verzögern, heilen oder womöglich gar völlig verhindern kann. Wirksamkeit ist auch die Summe aller erwünschten Einzelwirkungen. Entscheidendes Kriterium dabei ist die Antwort des Organismus – und diese ist individuell.

Anthroposophische Medizin ist nie „pauschal“ oder „Routine“. Sie bietet der heutigen zwar pluralistischen, jedoch immer stärker verallgemeinernden und normierenden Gesellschaft eine mehr denn je erforderliche Medizin: differenzierte, ganzheitliche Angebote welche die Individualität des Menschen in den Mittelpunkt stellen.